Meditation zum Sonnengesang – Teil 5

Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern.

„Die Erde liegt uns zu Füßen, denn wir stehen drauf.“ Im Supermarkt werden wir von der Vielfalt der Produkte erschlagen. Blumen werden in Pestiziden gebadet und aus fernen Ländern importiert, damit wir sie ein paar Tage auf dem Tisch stehen haben. Sind wir uns noch bewusst, was die Erde uns gibt? Was sie bedeutet? Oder treten wir sie buchstäblich mit Füßen? Ist Erntedank noch mehr als eine alte Tradition aus der Zeit, in der man noch auf dem Feld arbeitete? Die Erde ist der Grund, auf dem wir stehen. Wir haben keine andere. Du Gott, hast uns auf ihr ausgesetzt, sie uns ausgesetzt. Sie bringt das hervor, was wir zum Leben brauchen. Sie bringt uns Heilung. Und noch viel mehr, an dem wir uns erfreuen können.

Meditation zum Sonnengesang – Teil 4

Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Wasser.
Sehr nützlich ist sie und demütig und kostbar und keusch.

Erst wenn man etwas verliert, wird bewusst, welchen Stellenwert es im Leben wirklich hat. Franziskus hat die Gabe, die kleinen Dinge, die doch so große Bedeutung haben, mit seinem ganzen Sein zu lieben und für sie zu danken. Für was danken wir heute? Für Erfolg? Gesundheit? Einen Menschen, der uns besucht und uns Gesellschaft leistet? Aber für Wasser? Wasser, aus dem wir größtenteils bestehen. Auf das wir täglich angewiesen sind, ohne dass wir es realisieren. Das eine ungeheure Kraft hat, um Leben zu ermöglichen, aber auch zu vernichten. Die Urflut. Die Arche Noah. Das Wasser, um das Jesus die Samariterin bittet. Und das er am Ende selbst für jeden für uns ist. Wasser, das rein wäscht.

Geschöpft aus dem Brunnen, der sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament den Blick öffnet auf eine neue Zukunft.

Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Feuer,
durch den du die Nacht erhellst.
Und schön ist er und fröhlich und kraftvoll und stark.

Man kann so pragmatisch und nüchtern sein, wie man will, Feuer übt eine Faszination aus. Es ist mehr als eine chemische Reaktion. In der Bibel ist im Zeichen des Feuers Gott präsent und wirksam. Der brennende Dornbusch. Die Feuersäule. Das Licht, das die Dunkelheit erleuchtet, im Weihnachts- und Ostergeheimnis. Ja, Gott zeigt seine Macht und Stärke. Aber nicht, um zu dominieren. Sondern um uns zu befreien.

Meditation zum Sonnengesang – Teil 3

Gelobt seist du, mein Herr, für Schwester Mond und die Sterne. Am Himmel hast du sie geformt, klar und kostbar und schön.

Früher gaben die Sterne den Seeleuten Orientierung und heute sind sie für viele ein Blick in die Vergangenheit und Zukunft unseres Universums. Sie zeigen uns, wie groß die Welt ist und dass wir uns unberechtigterweise für den Mittelpunkt halten. Je näher wir durch die Forschung dem Ursprung allen Seins kommen, desto faszinierender wird es. Und wir werden erkennen, dass wir nichts wissen, nichts als die komplexe und gleichzeitig simple Schönheit dieses Geheimnisses.

Gelobt seist du, mein Herr, für Bruder Wind, für Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter, durch das du deine Geschöpfe am Leben erhältst.

Wetter scheint ein so belangloses Thema zu sein. Und doch sehen wir täglich, wenn wir nur die Augen öffnen, welchen Einfluss es auf unser Leben hat. Sonne, Niederschläge, Stürme und Katastrophen prägen unsere Existenz. Menschen und Tiere sterben oder leben aufgrund dieser Einflüsse. Und wir Menschen – wie gehen wir mit diesem System um? Wir kennen es genug, um zu wissen, welche Ausmaße egoistisches und unbedachtes Handeln haben kann. Doch Gott hat uns die Verantwortung übergeben, die Schöpfung zu bewahren. Machen wir etwas daraus!

Meditation zum Sonnengesang – Teil 2

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,

Wer kann sie zählen? Wir sind abhängig von ihnen und aus vielerlei Weise mit ihnen verbunden und nehmen es als selbstverständlich an. Durch diese Wunder, auch wenn sie noch so klein, sind können wir deine Kreativität entdecken. Denn kann das alles Zufall sein?

besonders dem Herrn Bruder Sonne, der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest.

Durch die Lichter der Stadt können wir die Nacht zum Tag machen. Und doch leben wir durch und mit dem Licht der Sonne. Die Tage und Jahreszeiten begleiten uns durch das Leben

Und schön ist er und strahlend in großem Glanz: von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Die Sonne ist so groß und heiß, dass wir Menschen uns das gar nicht vorstellen können. Doch sie erleuchtet nicht nur unsere Umwelt, sondern weckt auch unsere Sinne. Und wir freuen uns, wenn die Tage wieder länger und wärmer werden. Diese Freude schenkst du uns noch viel mehr durch das wahre Licht, das diejenigen erleuchtet, die an ihn glauben und nach ihm suchen.

Meditation zum Sonnengesang – Teil 1

Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein ist das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.

Wer glaubt heute noch daran, dass es dich gibt? Wer spricht dich so an? Was verehren wir? Schauen wir noch auf das, was du uns Gutes tust? Wenn wir auf dich schauen, wirst du uns als der begegnen, der uns seinen geliebten Sohn geschenkt hat. So werden wir dich durch ihn erkennen.

Dir allein, Höchster, gebühren sie und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Staub bist du und zu Staub kehrst du zurück. Im Universum ein Nichts und trotzdem siehst du uns an und hörst unser Gebet und unsere Lieder. Denn du nimmst uns so an, wie wir sind. Ob wir uns nun groß oder klein vor dir fühlen; wir dürfen dich Vater nennen.